Welche Bezeichnungen sind geschützt?
Geschützt ist nur, was eine Landesärztekammer nach einer Prüfung vergibt. Facharzt für Gefäßchirurgie ist ein solcher Titel. Das legt die Musterordnung der Bundesärztekammer fest, und die Landesärztekammern übernehmen sie. Venen behandeln aber nicht nur Gefäßchirurgen. Auch Ärzte anderer Fachrichtungen können die Zusatzbezeichnung Phlebologie erwerben, die Lehre von den Venenerkrankungen. Dafür brauchen sie einen abgeschlossenen Facharzt in irgendeinem Gebiet und eine Weiterbildung unter Anleitung.
Ein dritter Weg führt über die Innere Medizin. Angiologen behandeln Arterien und Venen ohne offene Operation, mit Medikamenten, Gehtraining und Kathetern. Wer operiert werden muss, kommt zum Gefäßchirurgen.
Für den Facharzt für Gefäßchirurgie sind 72 Monate Weiterbildung nötig, davon 48 in der Gefäßchirurgie. Für den Facharzt für Innere Medizin und Angiologie sind es ebenfalls 72 Monate, davon 36 in der Angiologie. Die Zusatzbezeichnung Phlebologie hat keine feste Monatszahl.
| Bezeichnung | Art des Titels | Das steckt dahinter | Was der Arzt typischerweise macht |
|---|---|---|---|
| Facharzt für Gefäßchirurgie | Facharzttitel im Gebiet Chirurgie | 72 Monate Weiterbildung, davon 48 in der Gefäßchirurgie | Operiert Arterien und Venen, zum Beispiel beim Stripping (die kranke Vene wird entfernt), beim Bypass, bei Aneurysmen und an der Halsschlagader |
| Facharzt für Innere Medizin und Angiologie | Facharzttitel im Gebiet Innere Medizin | 72 Monate Weiterbildung, davon 36 in der Angiologie | Ultraschall, Gehtraining, Katheter an Arterien, Medikamente, keine offene Operation |
| Zusatzbezeichnung Phlebologie | Zusatz zu einem Facharzttitel | Facharzt plus Weiterbildung in Phlebologie, keine feste Monatszahl | Untersucht und behandelt Venen, zum Beispiel mit Verödung und Kompression, je nach Grundfach auch mit Operationen |
| Venenspezialist, Venenzentrum, Gefäßexperte | Keine geschützte Bezeichnung | Nichts vorgeschrieben | Sagt nichts über die Weiterbildung. Nur der Titel dahinter zählt. |
Wie prüfen Sie den Facharzttitel eines Gefäßchirurgen?
Allein die Ärztekammern und die Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder haben verlässliche Angaben zur Qualifikation der Ärzte. Das schreibt die Bundesärztekammer auf ihrer Seite zur Arztsuche. Sie führt kein bundesweites Verzeichnis, sondern verweist auf die Arztsuchen der Landesärztekammern. Für Kassenärzte gibt es einen zweiten Weg: Die Arztsuche unter arztsuche.116117.de nutzt Daten aus dem Bundesarztregister und zeigt das Fachgebiet, unter dem der Arzt zugelassen ist.
- Öffnen Sie die Arztsuche der Landesärztekammer, in deren Bereich die Praxis liegt, und suchen Sie nach Name und Ort. Lesen Sie Facharzt- und Zusatzbezeichnung ab. Steht dort nichts, fragen Sie bei der Kammer telefonisch nach.
- Schauen Sie unter arztsuche.116117.de nach, ob die Praxis eine Kassenzulassung hat und unter welchem Fachgebiet. Privatpraxen erscheinen dort nicht. Das ist kein Mangel, nur eine Information.
- Vergleichen Sie das Ergebnis mit Praxisschild und Website. Führt die Praxis Titel, die die Kammer nicht kennt, oder Zertifikate ohne Kammertitel, fragen Sie beim Termin nach der Weiterbildung.
Der Aufwand lohnt sich, weil das Gesetz verlangt, dass die Person, die Sie vor einer Operation aufklärt, die dafür nötige Ausbildung hat.
Wie bekommen Sie einen Termin beim Gefäßchirurgen?
Gesetzlich Versicherte haben zwei Wege zum Facharzt. Sie rufen selbst in Praxen an, oder Sie nutzen die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Stelle muss Ihnen innerhalb einer Woche einen Termin vermitteln, und die Wartezeit darf vier Wochen nicht überschreiten. Für Facharzttermine brauchen Sie dafür eine Überweisung, außer bei Augen- und Frauenärzten.
Auf der Überweisung steht ein zwölfstelliger Code, den Ihr Hausarzt ausstellt. Mit diesem Code rufen Sie die 116117 an oder buchen online oder per App. Der Arzt muss zumutbar erreichbar sein. Bei allgemeiner fachärztlicher Versorgung müssen Sie bis zu 30 Minuten längere Fahrzeit in Kauf nehmen, bei spezialisierter Versorgung bis zu 60 Minuten mehr als bis zum nächsten Arzt der Fachrichtung. Einen Wunscharzt vermittelt die Stelle nicht.
Findet die Stelle bei niedergelassenen Ärzten keinen Termin innerhalb der Frist, muss sie Ihnen einen ambulanten Termin in einem Krankenhaus anbieten. Das gilt nicht bei verschiebbaren Routineuntersuchungen und Bagatellerkrankungen.
Hausarzt aufsuchen
Schildern Sie Ihre Beschwerden und lassen Sie die Beine untersuchen. Ihre Hausärztin stellt die Überweisung zu Gefäßchirurgie, Angiologie oder Phlebologie aus. Darauf steht ein zwölfstelliger Code. Ohne ihn vermittelt die 116117 keinen Facharzttermin. Zuständig: Hausarzt.
Termin über die 116117 oder selbst
Rufen Sie mit dem Code an, buchen Sie online oder per App. Parallel dürfen Sie selbst Praxen anrufen. Zuständig: Sie.
Facharzttermin mit Ultraschall
Bringen Sie Befunde, Medikamentenliste und frühere Ultraschallberichte mit. Der Facharzt untersucht Sie, in der Regel mit Ultraschall, und ordnet den Befund einer Stufe zu. Zuständig: Facharzt.
Behandlungsplan und Kosten
Besprechen Sie Verfahren, Alternativen, Kompression und wer zahlt. Bei Leistungen, die Sie selbst bezahlen, lassen Sie sich einen Kostenvoranschlag in Textform mitgeben. Zuständig: Facharzt, vor jeder Unterschrift.
Welche 8 Fragen stellen Sie beim ersten Termin?
Der erste Termin dient der Untersuchung und Planung, nicht der Behandlung. Die Leitlinie, die Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften, rät bei Beschwerden zu einem Venenspezialisten, der die Untersuchung mit Ultraschall und alle Behandlungen kennt. Genau das prüfen Sie mit diesen Fragen. Beim Stripping wird die kranke Vene entfernt, bei Laser und Radiofrequenz verschließt Hitze sie von innen, bei der Verödung verklebt ein Mittel sie.
- Welchen Facharzttitel und welche Zusatzbezeichnung führen Sie, und bei welcher Landesärztekammer sind Sie gemeldet?
- Machen Sie den Ultraschall der Beinvenen selbst, und bekomme ich den Befund schriftlich mit meiner Stufe?
- Welche Verfahren bieten Sie an: Stripping, Laser, Radiofrequenz oder Verödung mit Schaum? Welche nicht, und wohin überweisen Sie dann?
- Welches Verfahren empfehlen Sie mir, und aus welchem Befund folgt das?
- Zahlt meine Kasse das Verfahren, gibt es einen Vertrag mit meiner Kasse, oder stellen Sie mir eine private Rechnung?
- Wer betäubt, wo findet der Eingriff statt, und wer ist bei Komplikationen am Abend und am Wochenende erreichbar?
- Wie lange trage ich danach Kompression, wie lange bin ich krankgeschrieben, und wann ist die Kontrolle mit Ultraschall?
- Behandeln Sie auch Arterien, zum Beispiel bei Schaufensterkrankheit oder an der Halsschlagader, oder nur Venen?
Die letzte Frage ist wichtiger, als sie klingt. Bei Ruheschmerz oder Wunden durch verengte Arterien darf eine Venenoperation nach der Leitlinie in der Regel nicht erfolgen, bei Schmerzen nach weniger als 200 Metern Gehstrecke nur mit besonderer Vorsicht. Wenn Sie rauchen, Diabetes haben oder älter sind, fragen Sie deshalb nach dem Knöchel-Arm-Index, einem Blutdruckvergleich zwischen Knöchel und Arm.
Wann haben Sie Anspruch auf eine Zweitmeinung?
Bei bestimmten planbaren Eingriffen haben Sie Anspruch auf eine unabhängige zweite Meinung. Welche das sind, legt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fest, das oberste Beschlussgremium von Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen. Seit November 2025 stehen 13 Eingriffe auf der Liste. Zwei davon gehören zur Gefäßchirurgie: Operationen an Aortenaneurysmen und Eingriffe an verengten Halsschlagadern. Dazu kommt die Amputation beim diabetischen Fußsyndrom, die oft Gefäßpatienten trifft.
Der Arzt, der einen dieser Eingriffe vorschlägt, muss Sie mündlich über Ihr Recht auf eine Zweitmeinung aufklären. Er muss Ihnen Informationen in Textform geben und dafür sorgen, dass das in der Regel mindestens zehn Arbeitstage vor dem Eingriff geschieht. Die Zweitmeinung darf nicht der Arzt abgeben, der operieren will. Die Krankenkasse trägt die Kosten für die Zusammenstellung Ihrer Befunde.
Bei Krampfadern sieht die Regelung keinen Anspruch auf eine Zweitmeinung vor. Sie können sich aber jederzeit bei einem zweiten Venenspezialisten untersuchen lassen. Auf Abschriften Ihrer Patientenakte haben Sie ein gesetzliches Recht. Nehmen Sie den Ultraschallbefund mit, dann muss die zweite Praxis nicht bei null anfangen.
Wann passt eine Privatpraxis oder ein Gefäßzentrum?
Nicht jeder Gefäßchirurg hat eine Kassenzulassung. Eine Privatpraxis rechnet auch bei gesetzlich Versicherten privat ab, sogar bei Leistungen, die in einer Kassenpraxis nichts kosten würden. Das ist erlaubt. Die Praxis muss Sie aber vorher in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren, sobald erkennbar ist, dass die Kasse nicht zahlt. Fragen Sie deshalb schon beim ersten Anruf, ob die Praxis eine Kassenzulassung hat. Welche Krampfadern-Behandlungen die Kasse zahlt, hängt vom Verfahren ab.
Bei Arterieneingriffen zählt der Ort mehr als der Name. Bei einer schweren Durchblutungsstörung soll nach der Leitlinie so schnell wie möglich ein Team aus mehreren Fachrichtungen entscheiden, wie die Durchblutung wiederhergestellt wird. Für die Halsschlagader soll bei der Zweitmeinung ein Neurologe einbezogen werden. Solche Eingriffe gehören deshalb in Kliniken, in denen Gefäßchirurgie, Angiologie und Radiologie zusammenarbeiten. Ob eine Klinik ein zertifiziertes Gefäßzentrum ist, lässt sich in einer öffentlichen Liste nachprüfen.
Bei Venen ist die Lage entspannter. Stripping, Verödung und Katheterverfahren finden in Praxen, Tageskliniken und Krankenhäusern statt.
Häufige Fragen
Ist Gefäßchirurg eine geschützte Berufsbezeichnung?
Ja, Facharzt für Gefäßchirurgie ist eine geschützte Bezeichnung der Landesärztekammern. Dafür sind nach der Musterordnung der Bundesärztekammer 72 Monate Weiterbildung im Gebiet Chirurgie nötig, davon 48 Monate in der Gefäßchirurgie. Bezeichnungen wie Venenspezialist oder Gefäßexperte sind nicht geschützt.
Wie prüfe ich, ob ein Arzt Facharzt für Gefäßchirurgie ist?
Den Facharzttitel eines Gefäßchirurgen prüfen Sie in der Arztsuche der Landesärztekammer des Bundeslandes, in dem die Praxis liegt, oder telefonisch bei der Kammer. Für Kassenärzte zeigt zusätzlich die Arztsuche unter arztsuche.116117.de das Fachgebiet aus dem Bundesarztregister.
Wie lange darf ich auf einen Termin beim Gefäßchirurgen warten?
Über die Terminservicestelle 116117 darf die Wartezeit auf einen Facharzttermin vier Wochen nicht überschreiten, und die Stelle muss den Termin innerhalb einer Woche vermitteln. Gelingt das nicht, muss sie einen ambulanten Termin in einem Krankenhaus anbieten. Für Termine, die Sie selbst vereinbaren, sieht diese Regel keine Frist vor.
Was ist der Unterschied zwischen Gefäßchirurg, Angiologe und Phlebologe?
Ein Gefäßchirurg ist Facharzt im Gebiet Chirurgie und operiert Arterien und Venen. Ein Angiologe ist Facharzt für Innere Medizin und Angiologie und behandelt Gefäße ohne offene Operation, mit Medikamenten, Gehtraining und Kathetern. Phlebologie ist eine Zusatzbezeichnung für Venenerkrankungen, die ein Facharzt jedes Fachs erwerben kann.
Für welche Gefäßoperationen habe ich ein Recht auf eine Zweitmeinung?
Ein Recht auf eine unabhängige Zweitmeinung besteht bei planbaren Operationen an Aortenaneurysmen, bei Eingriffen an verengten Halsschlagadern und bei der Amputation beim diabetischen Fußsyndrom. Das legt der Gemeinsame Bundesausschuss fest, seit November 2025 für insgesamt 13 Eingriffe. Krampfader-Operationen gehören nicht dazu.
