Bei welchen 6 Warnzeichen gehen Sie zum Gefäßchirurgen?
Der Gefäßchirurg behandelt Arterien und Venen. Arterien führen das Blut vom Herzen in die Beine, Venen führen es zurück. Bei Arterien fehlt dem Gewebe Sauerstoff, bei Venen staut sich das Blut. Die Beschwerden unterscheiden sich, und die Dringlichkeit auch.
| Warnzeichen | Mögliche Ursache | Wie schnell | Wer zuerst hilft |
|---|---|---|---|
| Plötzlich ein Bein geschwollen, mit Schmerz und Spannung | Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene (Thrombose) | Noch am selben Tag | Hausarzt, außerhalb der Sprechzeiten 116117, bei Atemnot 112 |
| Wadenschmerz beim Gehen, der beim Stehenbleiben vergeht | Schaufensterkrankheit, also verengte Beinarterien | Termin beim Hausarzt vereinbaren | Hausarzt, dann Gefäßmediziner |
| Schmerz in Fuß oder Zehen in Ruhe, besonders nachts im Liegen | Schwere Durchblutungsstörung | Sofort | Arzt oder Notaufnahme |
| Wunde, die nicht heilt, oder eine schwarze Zehe | Schwere Durchblutungsstörung oder Venenleiden (offenes Bein) | Möglichst schnell, ein Arzt muss die Ursache klären | Hausarzt oder Notaufnahme |
| Krampfadern mit Schwellung, brauner Haut, Venenentzündung oder Blutung | Fortgeschrittene Venenschwäche oder eine Komplikation | Zeitnah | Venenspezialist |
| Zufällig entdeckte Verengung der Halsschlagader oder Aussackung der Bauchschlagader (Aneurysma) | Verengte Halsschlagader, Aneurysma | Planbar, mit Recht auf Zweitmeinung vor einem Eingriff | Gefäßchirurgie oder Angiologie |
Die Zeilen mit sofort sind die wichtigsten. Bei Schmerzen im Fuß in Ruhe oder einer Wunde, die nicht heilt, bekommt das Gewebe schon jetzt zu wenig Sauerstoff. Die Leitlinie, die Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften, verlangt bei Verdacht darauf, sofort weiter zu untersuchen und zu behandeln. Bestätigt sich der Verdacht, soll so schnell wie möglich ein Team aus mehreren Fachrichtungen über die Wiederherstellung der Durchblutung entscheiden.
Woran erkennen Sie die Schaufensterkrankheit?
Die Schaufensterkrankheit entsteht, wenn Ablagerungen die Arterien der Beine verengen. Es ist dieselbe Arterienverkalkung, die auch Herzinfarkt und Schlaganfall verursacht. Typisch ist ein krampfartiger Schmerz in der Wade, seltener im Oberschenkel oder Gesäß. Er kommt nach einer bestimmten Gehstrecke und verschwindet nach kurzem Stehenbleiben. Viele Betroffene bleiben dann vor einem Schaufenster stehen, daher der Name.
Ärzte teilen die Krankheit in vier Stufen ein. In Stufe 1 gibt es keine Beschwerden. In Stufe 2 schmerzt es beim Gehen. Schmerzt es schon nach weniger als 200 Metern, sprechen Ärzte von Stufe 2b. In Stufe 3 schmerzt der Fuß in Ruhe, in Stufe 4 kommt eine Wunde oder abgestorbenes Gewebe dazu. Die Stufen 3 und 4 nennen Ärzte eine kritische Durchblutungsstörung.
Der Knöchel-Arm-Index ist eine schnelle, einfache Untersuchung. Ihre Ärztin misst den Blutdruck am Knöchel und am Arm und teilt den einen Wert durch den anderen. Ein Wert über 0,9 gilt als normal, bei 0,75 bis 0,9 liegt eine leichte Verengung vor, bei 0,5 bis unter 0,75 eine mittelschwere und unter 0,5 eine schwere.
Eine deutsche Studie mit 6.880 Menschen über 65 aus Hausarztpraxen fand bei 21 Prozent einen auffälligen Knöchel-Arm-Index. Ab 70 Jahren sind nach der Leitlinie 15 bis 20 Prozent betroffen. Sagen Sie Ihrem Arzt, wenn bei normalem Gehen Beinkrämpfe oder Schmerzen auftreten. Bei Risikofaktoren für Herz und Gefäße soll er ohnehin danach fragen.
Wann gehören Krampfadern zum Gefäßchirurgen?
Bei Krampfadern mit Beschwerden sollen Sie zu einem Venenspezialisten gehen. Das ist ein Arzt mit Ultraschall und dem ganzen Spektrum der Behandlungen, also ein Gefäßchirurg, ein Angiologe oder ein Arzt mit Zusatzbezeichnung Phlebologie, der Lehre von den Venen. Bei einer Blutung, einer Venenentzündung, Krampfadern in der Schwangerschaft und einem offenen Bein gilt das ausdrücklich.
- Eine Schwellung am Knöchel, die zur Venenschwäche gehört.
- Braune Haut, Hautausschlag oder verhärtete Haut am Unterschenkel.
- Eine offene oder abgeheilte Wunde am Unterschenkel.
- Ein harter, geröteter, schmerzhafter Strang entlang einer Krampfader. Das ist eine Venenentzündung mit erhöhtem Risiko für eine tiefe Beinvenenthrombose, sie gehört zeitnah zum Arzt.
- Eine Blutung aus einer Krampfader, oft nach einer kleinen Verletzung.
- Neue Krampfadern nach einer früheren Thrombose. Sie können als Ersatzweg für das Blut dienen und dürfen nicht einfach entfernt werden.
Für die tiefe Venenthrombose gilt die strengste Regel. Die Leitlinie verlangt, jeden Verdacht zeitnah so weit abzuklären, dass über die Behandlung entschieden werden kann. Fragen und Abtasten reichen dafür nicht aus. Gehen Sie deshalb noch am selben Tag zu dem Arzt, der am schnellsten einen Ultraschall machen kann. Das ist der Hausarzt mit Ultraschall, ein Angiologe, eine Gefäßchirurgin, die Notaufnahme oder der Bereitschaftsdienst.
Wer hat Anspruch auf den Bauchschlagader-Ultraschall?
Ein Bauchaortenaneurysma ist eine Aussackung der Bauchschlagader. Die meisten machen keine Beschwerden. In seltenen Fällen reißt die Bauchschlagader ohne Vorwarnung, dann besteht Lebensgefahr. Deshalb haben gesetzlich versicherte Männer ab 65 einmalig Anspruch auf einen Ultraschall der Bauchschlagader. Er ist freiwillig und kostenlos. Vorher muss der Arzt Sie anhand eines Merkblatts aufklären.
Von 1.000 untersuchten Männern ab 65 haben etwa 980 kein Aneurysma, ihre Bauchschlagader ist dünner als 3 Zentimeter. Bei etwa 18 liegt der Durchmesser zwischen 3 und 5,4 Zentimetern, das Aneurysma wird dann regelmäßig per Ultraschall kontrolliert. Bei etwa 2 liegt er ab 5,5 Zentimetern. Dort ist das Risiko für einen Riss vergleichsweise hoch, und meist wird ein Eingriff empfohlen.
Das Screening machen Hausärzte, Urologen, Internisten, Chirurgen und Radiologen mit einer Ultraschall-Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung. Einen Gefäßchirurgen brauchen Sie dafür nicht. Der kommt ins Spiel, wenn das Aneurysma wächst. Fragen Sie als Mann ab 65 beim nächsten Hausarztbesuch nach dem Ultraschall. Vor einer geplanten Operation an einem Aortenaneurysma haben Sie Anspruch auf eine unabhängige Zweitmeinung. Ihr Arzt muss Sie darüber aufklären, in der Regel mindestens zehn Arbeitstage vor dem Eingriff.
Wie kommen Sie in 5 Schritten zum Gefäßchirurgen?
Bei Ruheschmerz, Wunde, plötzlicher Schwellung oder Atemnot gehen Sie den schnellsten Weg. Für alles andere führt der Weg über den Hausarzt. Er stellt eine Überweisung mit zwölfstelligem Code aus, mit der die Terminservicestelle unter 116117 einen Facharzttermin innerhalb von vier Wochen vermittelt. Vor dem Termin können Sie den Titel des Arztes prüfen.
Dringlichkeit einschätzen
Atemnot oder Brustschmerz: 112. Plötzlich geschwollenes Bein, Ruheschmerz im Fuß, schwarze Zehe: noch heute zum Arzt oder in die Notaufnahme. Alles andere: der geordnete Weg. Zuständig: Sie.
Hausarzt mit Grunduntersuchung
Der Hausarzt tastet die Fußpulse, misst bei Verdacht auf Schaufensterkrankheit den Knöchel-Arm-Index und sieht sich bei Venenbeschwerden die Beine im Stehen an. Dann überweist er zur Gefäßchirurgie, Angiologie oder Phlebologie. Zuständig: Hausarzt.
Facharzttermin
Über die 116117 mit Code binnen vier Wochen oder auf eigene Faust. Bringen Sie Befunde, Medikamentenliste und frühere Ultraschallberichte mit. Zuständig: Sie.
Ultraschall der Gefäße
Der Gefäßmediziner sieht Engstellen, Verschlüsse, Rückfluss und Gerinnsel. Danach entscheiden Sie gemeinsam über Gehtraining, Medikamente oder Eingriff. Zuständig: Facharzt.
Entscheidung mit Bedenkzeit
Bei planbaren Eingriffen an Bauchschlagader oder Halsschlagader müssen Sie über die Zweitmeinung aufgeklärt werden, in der Regel mindestens zehn Arbeitstage vor dem Eingriff. Zuständig: Facharzt, vor jeder Unterschrift.
Bei der Schaufensterkrankheit in Stufe 2 beginnt die Behandlung mit Gehtraining, Rauchstopp, der Behandlung von Bluthochdruck, Blutfetten und Diabetes und einem Medikament, das die Blutplättchen hemmt. Katheter oder Operation kommen erst infrage, wenn das nicht hilft, der Leidensdruck hoch ist und die Gefäßform geeignet ist.
Wann gehört eine verengte Halsschlagader zum Gefäßchirurgen?
Eine verengte Halsschlagader wird oft zufällig entdeckt, zum Beispiel beim Ultraschall des Halses oder nach einem Schlaganfall. Sie ist wie die Schaufensterkrankheit eine Form der Arterienverkalkung, beide kommen deshalb oft zusammen vor. Fragen Sie Ihre Ärztin, ob auch die Beinarterien untersucht werden sollten.
Ob eine verengte Halsschlagader behandelt wird, entscheidet nicht allein der Operateur. Vor einer geplanten Operation oder einem Stent, einem kleinen Röhrchen, das die Ader offen hält, an der Halsschlagader haben Sie Anspruch auf eine unabhängige Zweitmeinung. Dabei soll ein Neurologe einbezogen werden. Die Zweitmeinung dürfen unter anderem Fachärzte für Neurologie, Angiologie, Kardiologie und Gefäßchirurgie abgeben, aber nicht der Arzt, der operieren will.
Hatten Sie kürzlich eine Lähmung, Sprachstörung, Sehstörung auf einem Auge oder ein Taubheitsgefühl in einer Körperhälfte?
Das können Zeichen eines Schlaganfalls sein. Bei akuten Beschwerden rufen Sie die 112. Waren die Beschwerden schon wieder weg, gehen Sie umgehend zum Neurologen oder in eine Klinik mit Schlaganfallstation.
Wurde Ihnen ein Eingriff an der Halsschlagader vorgeschlagen?
Dann haben Sie Anspruch auf eine unabhängige Zweitmeinung. Ihr Arzt muss Sie darüber aufklären, in der Regel mindestens zehn Arbeitstage vor dem Eingriff. Nutzen Sie dieses Recht.
Fragen Sie, wie oft die Verengung kontrolliert wird, ob auch Ihre Beinarterien untersucht werden sollten und bei welchen Warnzeichen Sie sofort die 112 rufen.
Bei plötzlicher Schwäche oder Lähmung einer Körperhälfte, hängendem Mundwinkel oder Sprach- und Sehstörungen rufen Sie sofort die 112, auch wenn die Beschwerden nach Minuten wieder verschwinden.
Häufige Fragen
Welche Beschwerden behandelt ein Gefäßchirurg?
Ein Gefäßchirurg behandelt Erkrankungen der Arterien und Venen. Dazu gehören die Schaufensterkrankheit, schwere Durchblutungsstörungen der Beine, Aussackungen der Bauchschlagader, Verengungen der Halsschlagader und Krampfadern mit ihren Folgen. Er operiert offen und arbeitet mit Kathetern, also von innen durch das Gefäß.
Woran erkenne ich eine Durchblutungsstörung im Bein?
Eine Durchblutungsstörung im Bein zeigt sich zuerst als Schaufensterkrankheit, mit Wadenschmerz nach einer bestimmten Gehstrecke, der beim Stehenbleiben verschwindet. Schmerzen im Fuß in Ruhe, Wunden, die nicht heilen, oder schwarze Zehen zeigen eine schwere Durchblutungsstörung und gehören sofort zum Arzt.
Wer hat Anspruch auf den Ultraschall der Bauchschlagader?
Gesetzlich versicherte Männer haben ab 65 Jahren einmalig Anspruch auf einen Ultraschall der Bauchschlagader, um ein Aneurysma früh zu erkennen. Die Untersuchung ist freiwillig und kostenlos. Machen dürfen sie Hausärzte, Urologen, Internisten, Chirurgen und Radiologen mit Ultraschall-Genehmigung. Für Frauen sieht die Regelung das Screening nicht vor.
Was ist der Unterschied zwischen Gefäßchirurg und Angiologe?
Ein Gefäßchirurg ist Facharzt für Chirurgie und operiert Arterien und Venen, offen oder mit Kathetern. Ein Angiologe ist Facharzt für Innere Medizin und Angiologie und behandelt ohne offene Operation, zum Beispiel mit Gehtraining, Medikamenten und Kathetern. Bei Schaufensterkrankheit in Stufe 2 passen beide, bei Operationen der Gefäßchirurg.
Wie schnell muss eine Thrombose im Bein abgeklärt werden?
Jeder Verdacht auf eine tiefe Venenthrombose muss nach der Leitlinie zeitnah abgeklärt werden, bis über die Behandlung entschieden werden kann. Fragen und Abtasten allein reichen nicht. Gehen Sie noch am selben Tag zum Hausarzt mit Ultraschall, zum Gefäßmediziner oder in die Notaufnahme, außerhalb der Sprechzeiten zum Bereitschaftsdienst unter 116117.
