Gefäßchirurgen

Ratgeber

Stripping oder Laser bei Krampfadern im Vergleich

Veröffentlicht am , zuletzt aktualisiert am

Beim Stripping zieht der Arzt die kranke Vene über kleine Schnitte heraus. Beim Laser verschließt er sie von innen mit Hitze. In Studien schnitten beide bei den meisten Messwerten gleich ab. Das Stripping zahlt die Kasse, Laser und Radiofrequenz in der Regel nicht. Was zu Ihnen passt, entscheidet der Arzt mit Ihnen nach dem Ultraschall Ihrer Beine.

Kompressionsstrumpf nach Stripping, mindestens
1 Woche
S2k-Leitlinie Varikose, AWMF 037-018 (Gültigkeit abgelaufen), Empfehlung 92, Stand 1. März 2019
Krampfader kommt an der Leiste wieder
unter 5 Prozent bei einwandfreier Operation
S2k-Leitlinie Varikose, AWMF 037-018 (Gültigkeit abgelaufen), Empfehlung 88, Stand 1. März 2019
Gleiches Ergebnis bei Laser und Stripping
8 von 9 Messpunkten
IGeL-Monitor, Laser-Behandlung von Krampfadern, Stand 19. Dezember 2017
Saubere Operationsinstrumente auf einem Tisch in einem ruhigen Operationssaal.
So kann ein Operationsraum aussehen, in dem Krampfadern behandelt werden. Bild: KI generiert.

4 Wege, eine Krampfader zu behandeln

Alle vier Wege haben dasselbe Ziel: Sie schalten die große Beinvene aus, deren Klappen nicht mehr schließen. Sie verläuft an der Innenseite des Beins. Das Blut fließt im Stehen zurück und treibt den Druck in den Venen unter der Haut hoch. Die sichtbaren Krampfadern sind meist Seitenäste dieser Vene. Deshalb behandelt der Arzt zuerst die große Beinvene.

Vor jeder Entscheidung steht ein Ultraschall der Beinvenen. Er zeigt, wo das Blut zurückfließt und wie lang die undichte Strecke ist. Erst mit diesem Bild kann der Arzt sagen, welches Verfahren an Ihrer Vene infrage kommt.

Von den vier Wegen zahlt die Kasse ambulant das Stripping. Für Laser und Radiofrequenz zahlt sie in der Regel nicht, einzelne Kassen bieten sie regional als eigene Leistung an. Die Schaumverödung der großen Beinvene ist nach einer Auskunft der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Vertretung der Kassenärzte, nicht als Kassenleistung abrechenbar. Fachverbände empfehlen, sie auf eigene Kosten anzubieten.

Die vier Wege im Überblick. Ob die Kasse zahlt, stammt von der AOK (Stand 2026) und aus einer Auskunft der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.
VerfahrenSo kommt der Arzt an die VeneBetäubungWas mit der Vene geschiehtZahlt die Kasse?
Stripping (Herausziehen der Vene)Schnitt in der Leiste oder Kniekehle, dazu kleine Schnitte am BeinVollnarkose, Betäubung am Rückenmark oder örtliche BetäubungDer Arzt bindet die Vene ab und zieht sie mit einer Sonde herausJa
RadiofrequenzEinstich am Unterschenkel oder Knie, dünner Schlauch (Katheter) in der Veneörtliche Betäubung rund um die VeneHitze verschließt die Vene von innen, sie bleibt als Strang im BeinIn der Regel nein, einzelne Kassen bieten es regional an
LaserEinstich, dünne Laserfaser in der Veneörtliche Betäubung rund um die VeneLaserlicht verschließt die Vene von innenIn der Regel nein, einzelne Kassen bieten es regional an
SchaumverödungSpritze unter UltraschallkontrollekeineEin aufgeschäumtes Medikament verklebt die VenenwandFür die große Beinvene nicht als Kassenleistung abrechenbar

Bei Laser und Radiofrequenz spritzt der Arzt viel verdünntes Betäubungsmittel rund um die Vene. Es betäubt, drückt die Vene an den Katheter und schützt die Haut vor der Hitze. Deshalb reicht meist eine örtliche Betäubung. Der Venenkleber und weitere Verfahren sind hier nicht verglichen, weil dazu noch keine abschließende Aussage vorliegt.

Kommt die Krampfader nach der Behandlung wieder?

Ja, das kann nach jedem Verfahren passieren, denn die Krankheit schreitet im Lauf der Jahre fort. Die Leitlinie nennt drei bekannte Gründe. Erstens Fehler bei der ersten Behandlung, zum Beispiel eine Vene, die sich wieder öffnet. Zweitens nachwachsende kleine Adern. Drittens das Fortschreiten der Krankheit.

In den Studien unterscheiden sich Stripping und Laser oder Radiofrequenz bei den wiedergekehrten Krampfadern, den Beschwerden und der Lebensqualität nicht deutlich. Nach einer sauber ausgeführten Operation kam die Krampfader an der Leiste in weniger als 5 Prozent der Fälle wieder. Das galt auch nach 5 bis über 10 Jahren. Das ist ein Wert aus Studien und keine Zusage für Ihr Bein.

Einen Unterschied nennt die Leitlinie bei den ersten Lasern. Laser mit kurzer Wellenlänge (810 bis 980 Nanometer) und einfacher Glasfaser ließen nach 5 Jahren an der Leiste häufiger Blut zurückfließen als das Stripping. Sie hatten auch mehr Nebenwirkungen als neuere Laser. Für Laser mit 1.320 bis 1.940 Nanometern fehlen Langzeitstudien im Vergleich zur Operation. Fragen Sie deshalb, welchen Laser die Praxis benutzt.

Nach einer Verödung mit Schaum kommt die Krampfader häufiger wieder als nach Operation oder Laser. Nach 5 Jahren war auch die Besserung der Lebensqualität geringer. Wer die große Beinvene veröden lässt, plant deshalb Kontrollen und wenn nötig eine zweite Sitzung ein.

Auch der Medizinische Dienst, der Gutachterdienst der Krankenkassen, hat Studien zum Laser ausgewertet, 7 Übersichtsarbeiten und 4 Einzelstudien. Sein Ergebnis von 2017: Bei 8 von 9 gemessenen Punkten schnitten Laser und Operation gleich ab. Nur bei neuen Krampfadern im Ultraschall sahen 3 von 4 Einzelstudien nach 1 bis 5 Jahren die Operation vorn. Nach Laser gab es weniger Wundinfektionen und blaue Flecken, nach Stripping in einigen Studien weniger Venenentzündungen.

Eine feste Erfolgsquote für Ihr Bein liefert keine dieser Quellen. Die Studien messen den Verschluss der Vene, neue Krampfadern und die Lebensqualität über wenige Jahre, mit verschiedenen Geräten und Patientengruppen. Nach der Leitlinie lässt sich nicht sicher sagen, welches Verfahren die wenigsten neuen Krampfadern nach sich zieht. Wer Ihnen eine feste Prozentzahl nennt, verspricht mehr, als die Daten hergeben.

Kommt eine Krampfader zurück, gelten für die Behandlung dieselben Regeln wie beim ersten Mal, und alle Verfahren stehen offen. Bei einer zweiten Operation treten allerdings mehr Komplikationen auf als bei der ersten.

Welches Verfahren passt zu Ihnen?

Drei Dinge entscheiden, welches Verfahren zu Ihnen passt: Ihr Wunsch, der Ultraschall Ihrer Beine und Ihre allgemeine Gesundheit. Kommen mehrere Verfahren infrage, muss Ihr Arzt sie Ihnen alle erklären, mit Vorteilen und Risiken.

Laser und Radiofrequenz eignen sich, wenn die große Beinvene, die kleine Beinvene an der Wade oder die vordere Nebenvene undicht ist. Sie kommen nicht infrage, wenn in der Vene gerade ein frisches Blutgerinnsel liegt. Ob ein Katheter passt, sieht der Arzt am Ultraschallbild. Auch die Weite der Vene kann eine Rolle spielen. Lassen Sie sich das Bild zeigen.

Welches Verfahren kommt für Ihr Bein infrage?

Fließt in der großen Beinvene Blut zurück, wie der Ultraschall zeigt?

Ja

Passt ein Katheter, und liegt kein frisches Blutgerinnsel in der Vene?

Ja

Zahlt Ihre Kasse Laser oder Radiofrequenz, oder zahlen Sie selbst?

Ja

Laser und Radiofrequenz sind möglich, meist mit örtlicher Betäubung.

Nein

Dann ist das Stripping die Kassenleistung. Fragen Sie nach der Betäubung und ob ambulant oder im Krankenhaus operiert wird.

Nein

Stripping oder Schaumverödung. Ihr Arzt begründet die Wahl mit dem Verlauf der Vene.

Nein

Die große Beinvene wird nicht behandelt. Der Arzt kann Seitenäste veröden oder mit kleinen Schnitten entfernen. Bei Beschwerden kommt Kompression infrage.

Eine geplante Krampfader-OP wird nicht gemacht bei einer frischen tiefen Bein- oder Beckenvenenthrombose und bei sehr schwer kranken Patienten. Dasselbe gilt bei schwerer Durchblutungsstörung der Beinarterien mit Ruheschmerzen oder Wunden und in bekannter Schwangerschaft. Gegen eine Verödung sprechen eine Allergie gegen das Mittel, ein frisches Blutgerinnsel und eine Infektion.

Wie lange tragen Sie nach Stripping oder Laser Kompression?

Nach dem Stripping tragen Sie mindestens 1 Woche einen Kompressionsstrumpf und gehen sofort wieder. Nach Laser oder Radiofrequenz legt der Arzt die Dauer fest, in Studien waren es 48 Stunden bis 1 Woche. Auch neuere Studien zeigen: Ein Kompressionsstrumpf lindert in der ersten Woche Schmerzen und Schwellung.

Nach Operationen verglich eine Auswertung mehrerer Studien 3 bis 10 Tage mit 3 bis 6 Wochen Kompression. Sie fand keinen Unterschied bei Schmerzen, Beinvolumen und Komplikationen. Eine lange Kompression für ein besseres Ergebnis rät die Leitlinie nicht. Mehr dazu im Text zur Tragedauer von Kompressionsstrümpfen.

  • Nach dem Stripping: mindestens 1 Woche. Strümpfe mit 23 bis 32 mmHg (so wird der Druck des Strumpfes angegeben) waren in der ersten Woche besser als solche mit 18 bis 21 mmHg.
  • Nach Laser oder Radiofrequenz: Dauer nach Ermessen des Arztes, in Studien 48 Stunden bis 1 Woche.
  • Nach Schaumverödung: Kompression nach Ermessen des Arztes. Eine Studie fand mit 15 bis 20 mmHg keinen Unterschied zu keiner Kompression.
  • Nach Verödung von Besenreisern: 23 bis 32 mmHg über 3 Wochen verbesserten das Ergebnis.

Bleiben Beschwerden wie Schweregefühl oder Schwellung, sollten Sie weiter Kompression tragen. Ob Sie Spritzen gegen Thrombose bekommen, hängt von Ihrem Risiko und vom Umfang des Eingriffs ab.

Was klären Sie vor der Entscheidung mit dem Arzt?

Im Gespräch vor dem Eingriff entscheidet sich, ob Sie das Verfahren bekommen, das zu Ihrem Befund und zu Ihrer Kasse passt.

  1. Bringen Sie frühere Befunde mit: Ultraschallberichte, Thrombosen, Allergien, Blutverdünner, eine mögliche Schwangerschaft. Jeder Punkt kann ein Verfahren ausschließen.
  2. Lassen Sie sich den Ultraschall am Bild erklären: Welche Vene ist undicht, von wo bis wo, wie weit?
  3. Fragen Sie nach allen Verfahren und warum die Praxis eines vorschlägt, bei Laser nach Wellenlänge und Fasertyp.
  4. Klären Sie Betäubung, Ort (ambulant oder im Krankenhaus), Kompressionsdauer, Krankschreibung und den Ultraschall danach.
  5. Klären Sie, wer zahlt: die Kasse, ein Angebot Ihrer Kasse oder Sie selbst. Lassen Sie sich die Kosten vorher schriftlich nennen.

Nehmen Sie Abschriften aller Unterlagen mit, die Sie unterschreiben, und entscheiden Sie in Ruhe. Eine zweite Meinung bei einem anderen Venenspezialisten können Sie sich holen. Ein förmliches Zweitmeinungsverfahren wie bei anderen Operationen gibt es für Krampfadern nicht. Was Laser und Radiofrequenz kosten, steht im Text zu den Kosten einer Krampfadern-OP.

Häufige Fragen

Wie unterscheiden sich Laser und Stripping bei Krampfadern?

Beim Laser verschließt der Arzt die kranke Vene von innen mit Hitze, beim Stripping zieht er sie über Schnitte heraus. In den Studien schnitten beide bei den meisten Messwerten gleich ab. Die Katheterverfahren haben Vorteile bei Schmerzen und beim Weg zurück in den Alltag, das Stripping zahlt die Kasse.

Wie lange muss ich nach einer Krampfader-OP Kompressionsstrümpfe tragen?

Nach einem Stripping tragen Sie mindestens 1 Woche Kompressionsstrümpfe. Eine Auswertung mehrerer Studien fand zwischen 3 bis 10 Tagen und 3 bis 6 Wochen keinen Unterschied bei Schmerzen und Komplikationen. Nach Laser oder Radiofrequenz legt der Arzt die Dauer fest.

Kommen Krampfadern nach Laser oder Radiofrequenz wieder?

Ja, Krampfadern können nach jeder Behandlung wiederkommen, weil die Krankheit fortschreitet. Nach den Studien unterscheiden sich Laser, Radiofrequenz und Stripping dabei insgesamt nicht deutlich. Nur die ersten Laser mit kurzer Wellenlänge (810 bis 980 Nanometer) ließen an der Leiste nach 5 Jahren häufiger Blut zurückfließen als das Stripping.

Ist die Schaumverödung eine Alternative zum Stripping der großen Beinvene?

Die Behandlungsempfehlung von 2018 nennt die Schaumverödung eine wirksame und wiederholbare Option. Krampfadern kommen danach aber häufiger wieder als nach Operation oder Laser, und große Krampfadern müssen manchmal erneut behandelt werden. Für die große Beinvene ist sie nach einer Auskunft der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nicht als Kassenleistung abrechenbar.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Varikose, AWMF-Registernummer 037-018, Stand März 2019, Abschnitte 4.2, 4.3, 6.1.1.3.6, 6.2.1, 6.2.2.7 (Gültigkeit abgelaufen), Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie mit DGG, DGA, DDG, DGDC, BVP, ANG,
  2. S2k-Leitlinie Sklerosierungsbehandlung der Varikose, AWMF-Registernummer 037-015, Stand Dezember 2018, Empfehlungen 1, 2, 12, 13, Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie mit DDG, DGA, DGG, BVP,
  3. S2k-Leitlinie Kompressionstherapie der Extremitäten mit Medizinischem Kompressionsstrumpf, AWMF-Registernummer 037-005, Version 5.1 vom 16. Juli 2026, Abschnitt 8.1.5, Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie mit DDG, DGA, DGG, GDL, BVPL,
  4. IGeL-Monitor: Laser-Behandlung von Krampfadern, Bewertung unklar, Vergleich mit Stripping (Stand 19. Dezember 2017), Medizinischer Dienst Bund,
  5. Krampfadern: endovenöse Therapie, Kostenübernahme nur über besondere Verträge (Stand 7. Mai 2026), AOK-Bundesverband,
  6. Die Schaumverödung kann keine EBM-Kassenleistung sein, mit der Auskunft der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zur Gebührenordnungsposition 30501, Der niedergelassene Arzt,
  7. § 630c BGB Informationspflichten und § 630e BGB Aufklärungspflichten, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  8. § 27b SGB V Zweitmeinung und § 140a SGB V Besondere Versorgung, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  9. Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren (Zm-RL), in Kraft seit 13. November 2025, Besonderer Teil mit 13 Eingriffen, Gemeinsamer Bundesausschuss,

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Stand dieser Angaben: 26. September 2026.