Gefäßchirurgen

Ratgeber

Was ein zertifiziertes Gefäßzentrum prüft und was nicht

Veröffentlicht am , zuletzt aktualisiert am

Ein zertifiziertes Gefäßzentrum ist eine Klinik, in der Gefäßchirurgie, Angiologie und Radiologie unter einem Dach zusammenarbeiten. Sie erfüllt feste Mindestzahlen, zum Beispiel 800 Patienten mit Gefäßerkrankungen und 200 offene Operationen an Arterien im Jahr. Geprüft werden Personal, Aufbau und Fallzahlen. Über die Ergebnisse einzelner Ärzte und über eine amtliche Zulassung sagt das Siegel nichts.

Offene Arterien-Operationen pro Jahr, mindestens
200 Operationen
Mindestanforderungen Zertifiziertes Gefäßzentrum, DGG Akademie, Stand 24. Juli 2026
Patienten mit Gefäßerkrankungen pro Jahr, mindestens
800 Patienten
Mindestanforderungen Zertifiziertes Gefäßzentrum, DGG Akademie, Stand 24. Juli 2026
Gültigkeit eines Zertifikats, meist
3 Jahre
Zertifizierte Gefäßzentren in Deutschland, DGG, Stand 22. September 2026
Helle Eingangshalle eines Krankenhauses mit Empfang und Pflanzen.
Zertifizierte Gefäßzentren müssen bestimmte Anforderungen erfüllen. Bild: KI generiert.

Was muss ein zertifiziertes Gefäßzentrum mindestens erfüllen?

Ein zertifiziertes Gefäßzentrum vereint drei Kernfächer unter einem Dach: Gefäßchirurgie, Angiologie und Radiologie. Dazu kommen feste Mindestzahlen nach dem gemeinsamen Anforderungsprofil der Fachgesellschaften. Sie reichen von 10 Behandlungen pro Jahr, die Gerinnsel auflösen oder absaugen, bis zu 800 Patienten mit Gefäßerkrankungen pro Jahr. Dazwischen liegen 150 Fälle mit Schaufensterkrankheit oder diabetischem Fuß, 200 offene Operationen an Arterien und 100 Katheterbehandlungen. Das Zentrum muss an 24 Stunden am Tag und an 7 Tagen der Woche Bereitschaft sichern. An Personal verlangt das Profil mindestens drei Fachärzte für Gefäßchirurgie, drei für Radiologie und zwei für Angiologie.

Mindestanforderungen an ein Zertifiziertes Gefäßzentrum nach dem gemeinsamen Anforderungsprofil der Fachgesellschaften.
BereichMindestanforderungWas das bedeutet
KernfächerGefäßchirurgie, Radiologie und Angiologie, dazu feste Zusammenarbeit mit weiteren Fächern wie Kardiologie, Neurologie oder NephrologieFür die Angiologie lässt das Profil übergangsweise gefäßmedizinisch erfahrene Internisten zu, höchstens bis zur nächsten Zertifizierung.
FachärzteMindestens 3 Fachärzte für Gefäßchirurgie, 3 für Radiologie, 2 für AngiologieEin Zentrum braucht mehrere Fachärzte je Fach, nicht nur eine Person.
Patienten insgesamtMindestens 800 Patienten mit Gefäßerkrankungen pro Jahr, davon mindestens 600 mit Erkrankungen der ArterienDas zeigt die Größe des Zentrums, nicht die Qualität einer einzelnen Operation.
Schaufensterkrankheit und diabetischer FußMindestens 150 Fälle pro Jahr, davon mindestens 50 mit schwerer DurchblutungsstörungAuch die schwersten Fälle behandelt ein Zentrum regelmäßig.
Offene Operationen an ArterienMindestens 200 pro Jahr, darunter mindestens 30 an der Halsschlagader und 20 an Aneurysmen der BauchschlagaderDas Zentrum führt regelmäßig große offene Operationen durch.
KatheterverfahrenMindestens 100 Ballonaufweitungen oder Stents und 10 Behandlungen, die Gerinnsel auflösen oder absaugen, pro JahrDas Zentrum behandelt auch von innen durch das Gefäß.
Rund um die UhrBereitschafts- oder Rufdienste für alle Gefäßpatienten an 24 Stunden und 7 TagenAuch nachts und am Wochenende ist ein Dienst erreichbar.
FallbesprechungInterdisziplinäre Gefäßkonferenz mindestens wöchentlich, mit Fachärzten, die entscheiden dürfenSchwierige Fälle werden im Team besprochen.

Die Zahlen sagen etwas über die Größe des Zentrums, nicht über die Qualität einer einzelnen Operation. Die Mindestzahl an Arterienfällen sorgt aber dafür, dass ein Zentrum nicht allein mit Krampfadern auf seine 800 Patienten kommt.

Wie läuft die Prüfung eines Gefäßzentrums ab?

Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) bietet die Zertifizierung seit 2003 an, gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) und der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG). Eine Klinik kann sich auch nur von der DGG oder von zwei der drei Gesellschaften prüfen lassen. In der Liste der DGG steht bei jedem Zentrum, welche Gesellschaften zertifiziert haben.

Vom Antrag zum Zertifikat in 5 Schritten
  1. Antrag

    Die Klinik stellt den Antrag bei der Akademie der DGG. Zuständig: die Klinik.

  2. Formale Prüfung

    Die Akademie prüft, ob die Unterlagen vollständig sind. Zuständig: die Akademie.

  3. Inhaltliche Prüfung

    Das Zertifizierungsgremium der beteiligten Fachgesellschaften prüft die Angaben zu Personal, Fallzahlen und Aufbau. Zuständig: die Fachgesellschaften.

  4. Audit

    Auditoren prüfen das Zentrum und schreiben einen Bericht. Zuständig: die Auditoren.

  5. Entscheidung

    Ein Zertifizierungsausschuss entscheidet, mit je einer Person pro Fachgesellschaft und der Geschäftsführung. Danach verschickt die Akademie das Zertifikat. Zuständig: der Ausschuss.

Ein Zertifikat gilt nicht unbegrenzt. In der Liste der DGG steht bei jedem Zentrum der Zeitraum, für den es gilt, meist drei Jahre, zum Beispiel vom 15.04.2025 bis 14.04.2028. Danach steht eine neue Prüfung an, die Rezertifizierung. Das Verfahren ist ein Angebot der Fachgesellschaften und keine gesetzliche Pflicht.

Was prüft das Siegel Zertifiziertes Gefäßzentrum nicht?

Das Siegel prüft Aufbau, Personal und Fallzahlen des Zentrums. Die Behandlungsergebnisse einzelner Ärzte prüft es nicht. Auch zu Wartezeiten, zur Freundlichkeit des Personals oder zur Ausstattung der Zimmer sagt es nichts. Wer darauf Wert legt, fragt die Klinik direkt oder liest Patientenbewertungen.

Wer die Erfahrung einer bestimmten Ärztin einschätzen will, fragt sie selbst danach. Das Siegel beschreibt das ganze Zentrum, nicht die einzelne Person.

Wie prüfen Sie ein zertifiziertes Gefäßzentrum nach?

Ein Siegel im Flur oder auf der Website beweist noch keine gültige Zertifizierung. Diese Schritte helfen bei der Kontrolle:

  1. Suchen Sie den Ort in der Liste der zertifizierten Gefäßzentren auf der Website der DGG.
  2. Lesen Sie in der Liste ab, welche Gesellschaften zertifiziert haben und für welchen Zeitraum das Zertifikat gilt. Läuft der Zeitraum ab oder ist er abgelaufen, fragen Sie das Zentrum nach der Rezertifizierung.
  3. Vergleichen Sie den Namen des Zentrums genau mit der Schreibweise der Liste, weil Klinikverbünde mehrere Standorte führen.
  4. Fragen Sie, ob alle drei Kernfächer mit eigenen Fachärzten vertreten sind.
  5. Ziehen Sie vor einer geplanten Operation den Bundes-Klinik-Atlas heran. Er zeigt die Fallzahlen der einzelnen Klinik.

Wie Sie Fallzahlen einer Klinik lesen, hängt vom Eingriff ab. Ein Gefäßzentrum ist außerdem kein Wundzentrum. Das Wundsiegel der Initiative Chronische Wunden prüft die Versorgung chronischer Wunden, zum Beispiel beim offenen Bein, und das Qualitätsmanagement der Einrichtung. Es richtet sich an Krankenhäuser, Praxen, Pflegedienste und weitere Einrichtungen.

Warum lassen sich Kliniken zertifizieren?

Die DGG nennt als Ziele der Zertifizierung eine bessere Versorgung durch die Zusammenarbeit der Fachrichtungen und eine stärkere Verzahnung von Praxis und Krankenhaus. Dazu kommen eine bessere Position im Wettbewerb und eine gute Außendarstellung. Das Siegel ist für die Klinik also auch ein Aushängeschild.

Freiwillig heißt dabei nicht beliebig. Die Zertifizierung folgt einem festen Kriterienkatalog mit überprüfbaren Zahlen, den mehrere Fachgesellschaften gemeinsam tragen. Das unterscheidet sie von Bezeichnungen wie Venenzentrum oder Gefäßexperte, hinter denen keine Fachgesellschaft steht. Bei einem Gefäßleiden hängt es von den Beschwerden ab, ob ein Angiologe oder ein Gefäßchirurg zuständig ist. Für die Klinik ist die Zusammenarbeit der Fächer deshalb zentral.

Häufige Fragen

Was bedeutet zertifiziertes Gefäßzentrum genau?

Ein zertifiziertes Gefäßzentrum ist eine Klinik, in der Gefäßchirurgie, Angiologie und Radiologie unter einem Dach arbeiten und feste Mindestzahlen an Fachärzten und Behandlungen erfüllen. Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie bietet das Siegel seit 2003 an, gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Angiologie und der Deutschen Röntgengesellschaft. Das Verfahren ist freiwillig.

Ist ein zertifiziertes Gefäßzentrum automatisch besser als eine Praxis ohne Siegel?

Ein zertifiziertes Gefäßzentrum ist nicht automatisch besser als eine Praxis ohne Siegel. Das Siegel zeigt, dass Fachgesellschaften Personal, Aufbau und Fallzahlen geprüft haben. Es sagt nicht, dass jede Behandlung dort besser verläuft.

Prüft die Zertifizierung auch die Behandlungsergebnisse einzelner Ärzte?

Nein, geprüft werden Aufbau, Personal und Fallzahlen des ganzen Zentrums, nicht die Ergebnisse einzelner Ärztinnen und Ärzte. Wer die Erfahrung einer bestimmten Person einschätzen will, fragt sie selbst danach.

Ist ein zertifiziertes Gefäßzentrum dasselbe wie ein zertifiziertes Wundzentrum?

Nein, das Zertifizierte Gefäßzentrum der Fachgesellschaften prüft Fallzahlen und Fachärzte der Gefäßmedizin. Ein zertifiziertes Wundzentrum trägt meist das Wundsiegel der Initiative Chronische Wunden. Dieses prüft die Versorgung chronischer Wunden, zum Beispiel beim offenen Bein.

Ersetzt die Zertifizierung die Zulassung des Krankenhauses?

Nein, die Zertifizierung ist eine freiwillige Prüfung der Fachgesellschaften. Ob ein Krankenhaus gesetzlich Versicherte behandeln darf, hängt vom Krankenhausplan des Bundeslandes und von der Zulassung des Krankenhauses ab. Das Zertifikat ändert daran nichts.

Wo finde ich die Liste der zertifizierten Gefäßzentren?

Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin veröffentlicht die Liste auf ihrer Website, nach Ort sortiert und mit dem Zeitraum, für den das Zertifikat gilt. Die Deutsche Gesellschaft für Angiologie führt eine eigene Suche nach ihren zertifizierten Zentren.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. Zertifizierungen von Gefäßzentren, Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG),
  2. Zertifizierte Gefäßzentren in Deutschland, Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG),
  3. Mindestanforderungen Zertifiziertes Gefäßzentrum, Fassung vom 24. Juli 2026, DGG Akademie,
  4. Statut Zertifiziertes Gefäßzentrum, DGG Akademie,
  5. Zertifizierung Gefäßzentren, Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA),
  6. Interdisziplinäre Gefäßzentren der DRG, Deutsche Röntgengesellschaft (DRG),
  7. ICW-Wundsiegel: Qualitätssiegel für spezialisierte Wundversorgung, Initiative Chronische Wunden (ICW) e.V.,
  8. § 108 SGB V Zugelassene Krankenhäuser, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,

Einsatz von Sprachmodellen

Sprachmodelle (KI) haben bei diesem Portal mitgearbeitet. Sie haben die wiederkehrenden Sätze zu den Praxen formuliert, die Ratgeber und das Glossar mitgeschrieben, Quellen gesucht und die Bilder zu den Ratgebern erzeugt. Namen, Adressen und Fachrichtungen der Praxen verarbeitet ein festes Programm, eine KI erzeugt sie nicht.

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Stand dieser Angaben: 26. September 2026.