Wie lange tragen Sie Strümpfe je nach Anlass?
Eine feste Tragedauer für alle gibt es nicht. Die Leitlinie, die Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften, nennt aber Mindestzeiten. Nach einer Thrombose in den tiefen Beinvenen sind es mindestens 6 Monate. Nach einer Krampfader-Operation mit Stripping (die kranke Vene wird herausgezogen) sind es mindestens 1 Woche. Nach einer Verödung von Besenreisern tragen Sie den Strumpf bis zu 3 Wochen. Bei Venenschwäche ohne Operation tragen Sie ihn dauerhaft.
| Anlass | Mindestdauer | Was danach gilt |
|---|---|---|
| Thrombose in den tiefen Beinvenen | 6 Monate, Beginn innerhalb von 24 Stunden nach der Diagnose | Nach 3 bis 6 Monaten prüft die Ärztin, ob Sie weitertragen. Bei Schmerzen, Schweregefühl, Schwellung oder Hautveränderungen geht es weiter. |
| Nach einer Krampfader-Operation mit Stripping | 1 Woche | Ob 3 bis 10 Tage oder 3 bis 6 Wochen: Bei Schmerz, Beinumfang und Krankschreibung zeigte sich kein Unterschied. |
| Nach Laser oder Radiowellen an der Vene | Die Praxis legt es fest, in Studien 48 Stunden bis 1 Woche | Bei Restbeschwerden tragen Sie weiter. |
| Nach einer Verödung von Besenreisern | bis zu 3 Wochen mit Klasse 2 (23 bis 32 mmHg) | Das verbessert das Ergebnis und mindert Verfärbungen. |
| Krampfadern und Venenschwäche ohne Operation | dauerhaft, tagsüber | Venenerkrankungen schreiten fort, die Behandlung läuft meist langfristig. |
| Schwangerschaft mit Krampfadern | während der Schwangerschaft | Der Strumpf lindert Beschwerden, verhindert aber keine Krampfadern. |
Diese Zeiten gelten für den Tag. Bei Venenleiden tragen Sie Strümpfe in der Regel nur tagsüber. Morgens ziehen Sie sie an, bevor das Bein anschwillt. Nachtstrümpfe gibt es vor allem bei Lymphstau. Ob Sie den Strumpf nach einer Operation oder Thrombose auch nachts tragen, ordnet Ihre Ärztin an.
Welche Klasse passt zu Ihren Venen?
Kompressionsstrümpfe gibt es in vier Klassen, je nach Druck am Knöchel. Der Druck wird in mmHg gemessen, der Einheit für Millimeter Quecksilbersäule, wie beim Blutdruck.
- Klasse 1 (leicht): 18 bis 21 mmHg
- Klasse 2 (mittel): 23 bis 32 mmHg
- Klasse 3 (kräftig): 34 bis 46 mmHg
- Klasse 4 (sehr kräftig): 49 mmHg und mehr
Eine feste Zuordnung von Klasse und Diagnose gibt es nicht. Ihre Ärztin wählt nach Ihrem Befund, Ihren Begleiterkrankungen und Ihren Beschwerden immer die niedrigste Klasse, die wirkt. Dann tragen Sie den Strumpf eher, und nur ein getragener Strumpf hilft. Bei Krampfadern mit geringer Schwellung reicht oft Klasse 1. Bei einer Thrombose mit geschwollenem Unterschenkel ist ein Wadenstrumpf der Klasse 2 der Standard.
Wie lange halten Kompressionsstrümpfe?
Ein Kompressionsstrumpf behält seine Druckwirkung in der Regel 6 Monate, wenn Sie ihn richtig pflegen und normal nutzen. Er verliert sie, lange bevor er kaputt aussieht. Bei starkem Verschleiß durch Beruf oder Krankheit oder wenn sich Ihr Bein deutlich verändert, gibt es früher ein neues Rezept. Den Druck können Sie nicht messen, deshalb ist das Datum der ersten Abgabe Ihr Anhaltspunkt.
Bei der ersten Versorgung soll die Praxis aus Hygienegründen immer ein zweites Paar zum Wechseln verordnen. Sie tragen dann das eine Paar, während das andere trocknet.
Wie pflegen Sie Kompressionsstrümpfe richtig?
- Ziehen Sie den Strumpf morgens direkt nach dem Aufstehen an. Fehlen Kraft oder Beweglichkeit, lassen Sie sich eine Anziehhilfe verordnen.
- Tragen Sie beim Anziehen Gummi- oder Haushaltshandschuhe. Fingernägel und Ringe reißen Maschen.
- Waschen Sie den Strumpf regelmäßig nach den Pflegehinweisen des Herstellers. Schweiß und Schmutz greifen das Material an.
- Trocknen Sie ihn liegend, nicht auf der Heizung und nicht im Trockner, wenn der Hersteller das ausschließt.
- Rutscht der Strumpf oder wirft er Falten, etwa nach einer Gewichtsänderung oder Operation, stimmen die Maße nicht mehr. Lassen Sie dann neu Maß nehmen.
- Sprechen Sie nach 6 Monaten das Folgerezept an, ohne auf sichtbaren Verschleiß zu warten.
Was zahlt die Kasse für Kompressionsstrümpfe?
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt medizinische Kompressionsstrümpfe der Klassen 1 bis 4, wenn sie im Einzelfall nötig sind, um die Behandlung zu sichern oder einer drohenden Behinderung vorzubeugen. Zwei Dinge zahlt sie nicht. Strümpfe, die nur vorbeugen sollen, etwa vor einem Langstreckenflug, bleiben Ihre Ausgabe. Wer eine Sonderfarbe oder ein Material mit Aufpreis wählt, trägt die Mehrkosten selbst.
Die Zuzahlung beträgt 10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Strumpf, nie mehr als der Strumpf kostet. Das gilt bis zum 31. Dezember 2026. Ab dem 1. Januar 2027 gelten mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro je Strumpf. Bei einem Paar zahlen Sie für jeden Strumpf einzeln.
Alle Zuzahlungen eines Jahres sind gedeckelt, und zwar bei 2 Prozent Ihrer Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt. Bei schwerwiegend chronisch Kranken in Dauerbehandlung liegt die Grenze bei 1 Prozent. Haben Sie sie erreicht, stellt die Kasse eine Bescheinigung aus, dass Sie für den Rest des Jahres nichts mehr zuzahlen. Heben Sie deshalb jede Quittung auf.
Was steht auf dem Rezept für Kompressionsstrümpfe?
Ein Rezept ist nur so gut wie seine Angaben. Fehlt etwas, entscheidet das Sanitätshaus nach eigenem Ermessen oder ruft in der Praxis an. Im schlechtesten Fall bekommen Sie einen Strumpf, der nicht zu Ihrem Befund passt.
Rezept prüfen
Auf dem Rezept sollen mindestens stehen: Anzahl, Länge (Wadenstrumpf, Halbschenkelstrumpf, Schenkelstrumpf oder Strumpfhose), Klasse, Diagnose, Bezeichnung des Hilfsmittels und Fußspitze offen oder geschlossen. Bei Bedarf kommt der Vermerk Maßanfertigung dazu. Zuständig: Ihre Ärztin, prüfen Sie es vor dem Verlassen der Praxis.
Sanitätshaus wählen
Sie dürfen jedes Sanitätshaus wählen, das Vertragspartner Ihrer Kasse ist. Weder Praxis noch Kasse dürfen Sie zu einem bestimmten Haus lenken. Das Sanitätshaus reicht das Rezept bei der Kasse ein. Zuständig: Sie.
Maß nehmen
Das Bein wird möglichst ohne Schwellung vermessen. Weicht es an einer Messstelle stark von der Norm ab, wird nach Maß gefertigt. Zuständig: Sanitätshaus.
Genehmigung der Kasse
Die Kasse prüft den Antrag, wenn sie nicht auf die Genehmigung verzichtet hat. Sie entscheidet in der Regel innerhalb von 3 Wochen, mit einem Gutachten des Medizinischen Dienstes, dem Gutachterdienst der Krankenkassen, innerhalb von 5 Wochen. Zuständig: Krankenkasse.
Anprobe und Zuzahlung
Sitz prüfen, An- und Ausziehen üben, bei Bedarf eine Anziehhilfe. Dann zahlen Sie zu und heben die Quittung auf. Zuständig: Sanitätshaus und Sie.
Auch wer im Stehberuf arbeitet, kann Strümpfe bekommen, wenn Schwellungen die Notwendigkeit begründen. Für Kompressionsstrümpfe in der Schwangerschaft gelten besondere Regeln bei der Zuzahlung.
Helfen Kompressionsstrümpfe auf Reisen?
Für gesunde Reisende sind Kompressionsstrümpfe im Flugzeug im Allgemeinen nicht nötig. Empfohlen werden sie, wenn Sie schon eine Thrombose hatten oder Krebs haben. Auf langen Flügen ruhen die Wadenmuskeln, und das Blut staut sich in den Beinvenen. In Studien mit über 2.600 Fluggästen senkten kniehohe Strümpfe mit 15 bis 30 mmHg die Zahl der Thrombosen ohne Beschwerden. Thrombosen mit Beschwerden traten mit und ohne Strumpf nicht auf.
Rein vorbeugende Strümpfe zahlt die Kasse nicht. Wer ohnehin Kompression trägt, trägt sie auch im Flugzeug, in der Bahn und im Auto. Wie Sie einer Reisethrombose vorbeugen, hängt von Ihrem Risiko ab.
Häufige Fragen
Wie lange muss ich Kompressionsstrümpfe nach einer Thrombose tragen?
Nach einer Thrombose in den tiefen Beinvenen tragen Sie Kompressionsstrümpfe mindestens 6 Monate. Die Kompression beginnt sofort nach der Diagnose. Nach 3 bis 6 Monaten prüft Ihre Ärztin, ob Sie weitertragen. Das hängt von Beschwerden wie Schmerzen, Schweregefühl, Schwellung oder Hautveränderungen ab.
Wie lange halten Kompressionsstrümpfe?
Kompressionsstrümpfe behalten ihre Druckwirkung in der Regel 6 Monate, wenn Sie sie richtig pflegen und normal tragen. Bei starkem Verschleiß durch Beruf oder Krankheit oder wenn sich Ihr Bein deutlich verändert, gibt es früher ein neues Rezept.
Zahlt die Krankenkasse Kompressionsstrümpfe?
Ja, die gesetzliche Krankenkasse zahlt Kompressionsstrümpfe der Klassen 1 bis 4, wenn sie medizinisch nötig sind. Sie zahlen 10 Prozent des Preises zu, bis Ende 2026 mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Strumpf, ab 2027 mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro. Strümpfe nur zur Vorbeugung, etwa für einen Langstreckenflug, zahlt die Kasse nicht.
Welche Klasse von Kompressionsstrümpfen brauche ich bei Krampfadern?
Bei Krampfadern mit geringer Schwellung reicht oft schon Klasse 1 mit 18 bis 21 mmHg. Bei fortgeschrittener Schwellung und Hautveränderungen ist eher eine höhere Klasse nötig. Eine feste Zuordnung gibt es nicht. Ihre Ärztin wählt nach dem Befund die niedrigste Klasse, die wirkt.
Darf ich Kompressionsstrümpfe nachts tragen?
Bei Venenleiden tragen Sie Kompressionsstrümpfe in der Regel nur tagsüber. Nachtstrümpfe gibt es vor allem bei Lymphstau. Ob Sie den Strumpf nach einer Operation oder Thrombose auch nachts tragen, ordnet Ihre Ärztin an. Ein Kompressionsverband bleibt dagegen im besten Fall über Nacht am Bein.
