Wann müssen Sie nach der Reise sofort zum Arzt?
Rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn Sie nach einer Reise plötzlich Atemnot, Brustschmerzen, Herzrasen oder Schwindel bekommen, ohnmächtig werden oder Blut husten. Das sind Warnzeichen einer Lungenembolie: Ein Blutgerinnsel ist in die Lunge gewandert. Dafür muss kein Bein geschwollen sein.
Gehen Sie noch am selben Tag zum Arzt, wenn ein Bein anschwillt, schmerzt, spannt oder bläulich aussieht. Meist ist nur ein Bein betroffen. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Stellen Sie keine Selbstdiagnose, denn kein Handgriff, etwa Wadenschmerz beim Anziehen des Fußes, kann eine Thrombose sicher bestätigen oder ausschließen.
Haben Sie plötzlich Atemnot, Brustschmerz, Herzrasen oder Schwindel, oder husten Sie Blut?
Rufen Sie sofort den Notruf 112. Das können Zeichen einer Lungenembolie sein.
Schwillt ein Bein an, schmerzt oder spannt es, oder ist es bläulich verfärbt?
Gehen Sie noch am selben Tag zum Arzt. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den Bereitschaftsdienst unter 116117.
Sind beide Beine nur leicht und gleichmäßig geschwollen, ohne Schmerz?
Das kann vom langen Sitzen kommen. Bewegen Sie sich und beobachten Sie die Beine. Wird die Schwellung stärker oder kommt Schmerz dazu, gehen Sie zum Arzt.
Sind Sie unsicher, rufen Sie Ihre Hausarztpraxis an. Ein Verdacht wird abgeklärt und nicht abgewartet.
Wie hoch ist das Risiko einer Reisethrombose?
Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel, das eine Vene verschließt. Bei der Reisethrombose sitzt es in den tiefen Beinvenen. Auslöser ist stundenlanges Sitzen mit angewinkelten Knien. Die Wadenmuskeln, die beim Gehen das Blut nach oben pumpen, ruhen, und das Blut fließt langsamer.
Das Risiko ist klein. Nach Flügen über 4 Stunden bekommen schätzungsweise 2 von 10.000 Reisenden eine Thrombose mit Beschwerden, und es steigt mit der Flugdauer. Zum Vergleich: Im Alter von 50 bis 60 Jahren erleidet jedes Jahr etwa 1 von 1.000 Menschen eine Thrombose oder Lungenembolie, bei über 80-Jährigen sind es 1 von 100. Das Alter wiegt schwerer als der Flug.
Die Reise ist selten der einzige Grund. Etwa zwei Drittel aller Thrombosen treten zusammen mit einer zeitlich begrenzten Risikosituation auf, etwa einer Operation, einer Verletzung oder längerer Bettlägerigkeit. Bei bis zu 30 Prozent der Betroffenen findet sich gar kein Auslöser.
Welche Risikofaktoren erhöhen das Risiko?
Die Fachgesellschaften ordnen Risikofaktoren in drei Gruppen. Starke Faktoren erhöhen die Chance auf eine Thrombose um mehr als das 10-Fache, mittlere um das 2- bis 9-Fache, schwache um weniger als das 2-Fache. Ein langer Flug gehört zu den schwachen Faktoren, so wie Bettruhe über 3 Tage, Übergewicht und Schwangerschaft. Eine frühere Thrombose ist dagegen ein starker Faktor.
| Gewicht | Beispiele | Was das für die Reise heißt |
|---|---|---|
| Stark (mehr als 10-fach) | Frühere Thrombose oder Lungenembolie, Hüft- oder Kniegelenkersatz, Beinbruch, schwere Verletzung, Herzinfarkt oder Klinikaufenthalt wegen Herzschwäche in den letzten 3 Monaten | Sprechen Sie vor der Reise mit dem Arzt. Er entscheidet über Strumpf und weitere Maßnahmen. |
| Mittel (2- bis 9-fach) | Krebs, Chemotherapie, Pille, Hormonersatz, Wochenbett, erbliche Neigung zu Gerinnseln, Gerinnsel in einer oberflächlichen Vene, Autoimmunerkrankung, Infektion | Lassen Sie sich beraten. Bei Krebs raten Fachleute zum Strumpf. |
| Schwach (weniger als 2-fach) | Lange Auto- oder Flugreise, Bettruhe über 3 Tage, Übergewicht, Schwangerschaft, Krampfadern, höheres Alter, Diabetes, Bluthochdruck | Bewegung, Fußübungen, Trinken. Ein Strumpf ist Ihre eigene Entscheidung, die Kasse zahlt ihn nicht. |
Mehrere schwache Faktoren zusammen wiegen mehr als einer. Wer 70 ist, Krampfadern hat, übergewichtig ist und zwölf Stunden fliegt, kommt auf vier schwache Faktoren. Eine feste Formel, ab wann ein Strumpf oder eine Spritze nötig ist, gibt es nicht. Besprechen Sie das vor der Reise mit Ihrer Hausarztpraxis.
Was hilft auf langen Flügen?
Ihre Wadenmuskeln sind Ihr wichtigstes Werkzeug. Jede Anspannung presst die tiefen Venen zusammen und schiebt Blut zum Herzen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen rät deshalb jedem Reisenden, zwischendurch aufzustehen und im Gang umherzugehen. Im Sitzen beugen und strecken Sie ab und zu Knöchel und Knie, und Sie trinken genug.
Kompressionsstrümpfe sind der zweite belegte Baustein, aber nicht für jeden. In Studien mit über 2.600 Fluggästen trugen die Reisenden kniehohe Strümpfe mit 15 bis 30 mmHg (Klasse 1 oder 2), angezogen spätestens 2 Stunden vor dem Flug. Thrombosen mit Beschwerden traten weder mit noch ohne Strumpf auf. Thrombosen ohne Beschwerden waren mit Strumpf seltener, und die Beine schwollen weniger an. Für gesunde Reisende hält das Institut Strümpfe nicht für nötig. Empfohlen werden sie bei früherer Thrombose und bei Krebs.
Aspirin nennt das Institut nicht. Dass es Reisethrombosen verhindert, belegt keine der ausgewerteten Quellen. Ob Sie vor dem Flug eine Spritze mit dem Gerinnungshemmer Heparin brauchen, entscheidet Ihr Arzt. Das kommt bei starken Risikofaktoren infrage. Spritzen Sie nie ohne ärztliche Anweisung.
Wie wird eine Reisethrombose behandelt?
Bei einer Thrombose in den tiefen Beinvenen beginnt die Behandlung mit Gerinnungshemmern. Sie verhindern, dass das Gerinnsel wächst, und geben dem Körper Zeit, es abzubauen. Nach der akuten Behandlung nehmen Sie die Tabletten meist 3 bis 6 Monate. Nach 1 bis 3 Wochen prüft eine Untersuchung, ob die Behandlung wirkt. Nach 3 bis 6 Monaten entscheidet der Arzt neu, ob Sie die Gerinnungshemmer absetzen und den Strumpf weitertragen.
Gleichzeitig beginnt die Kompression, innerhalb von 24 Stunden nach der Diagnose. Meist bekommen Sie einen Wadenstrumpf der Klasse 2, bei geschwollenem Oberschenkel einen Schenkelstrumpf. Sie tragen ihn mindestens 6 Monate. So soll eine Spätfolge vermieden werden: eine dauerhafte Schwellung mit Hautveränderungen. Sie entwickelt sich nach einer Thrombose in den großen Venen bei etwa 20 bis 50 von 100 Patienten und fällt bei 5 bis 10 von 100 schwer aus.
Lassen Sie sich den Ultraschallbefund schriftlich geben: Welche Vene, wie lang, ab wann. Sie brauchen ihn für spätere Reisen und Operationen. Eine überstandene Thrombose zählt zu den starken Risikofaktoren. Das Institut nennt Menschen mit früherer Thrombose als die Gruppe, der Strümpfe auf Flügen empfohlen werden. Ob zusätzlich eine Heparinspritze sinnvoll ist, entscheidet Ihr behandelnder Arzt nach der Ursache und der Flugdauer.
Was klären Sie vor der Reise mit dem Arzt?
Ein Gespräch vor der Reise lohnt sich, wenn Sie einen starken oder mehrere mittlere Risikofaktoren haben. Das gilt auch, wenn Sie in den letzten 3 Monaten operiert wurden oder entbunden haben. Bringen Sie eine Liste Ihrer Medikamente und frühere Befunde mit. Ob Ihre Hausarztpraxis genügt oder ein Gefäßmediziner nötig ist, erklärt der Beitrag Wann zum Gefäßchirurgen.
Risiko aufschreiben
Frühere Thrombose, Krebs, Operation oder Geburt in den letzten 3 Monaten, Pille, erbliche Neigung zu Gerinnseln, Alter, Übergewicht, Krampfadern. Zuständig: Sie, vor dem Termin.
Arzt fragen
Hausärztin oder Gefäßmediziner. Wer Gerinnungshemmer nimmt, fragt die Ärztin, die sie verordnet hat. Der Arzt legt fest: Bewegungsregeln für alle, ein Strumpf der Klasse 1 oder 2 bei mittlerem Risiko, eine Heparinspritze bei starkem Risiko. Zuständig: Arzt.
Strumpf anpassen
Lassen Sie sich im Sanitätshaus einen kniehohen Strumpf anpassen und üben Sie das Anziehen. Zur reinen Vorbeugung gibt es kein Kassenrezept, bei einer bestehenden Venenerkrankung schon. Zuständig: Sanitätshaus, rechtzeitig vor dem Abflug.
Notfallplan mitnehmen
Befunde, Medikamentenliste, der Name des Gerinnungshemmers auf Englisch und die Notrufnummer 112, die in der EU gilt. Zuständig: Sie.
Denken Sie auch an die Rückreise. Wer im Urlaub operiert wurde, einen Gips trägt oder im Bett lag, fliegt mit einem anderen Risiko zurück als hin. Bettruhe über 3 Tage, Verletzungen und Operationen zählen zu den Risikofaktoren. Fragen Sie vor dem Rückflug Ihre Auslandskrankenversicherung oder Ihre Hausarztpraxis, ob Sie eine Maßnahme brauchen.
Häufige Fragen
Wie hoch ist das Risiko einer Reisethrombose auf einem Langstreckenflug?
Nach Flügen über 4 Stunden bekommen schätzungsweise 2 von 10.000 Reisenden eine Reisethrombose mit Beschwerden. Das Risiko steigt mit der Flugdauer. Ein langer Flug zählt zu den schwachen Risikofaktoren. Deutlich höher ist das Risiko bei früherer Thrombose, Krebs oder kürzlicher Operation.
Brauche ich Kompressionsstrümpfe im Flugzeug?
Gesunde Reisende brauchen im Flugzeug im Allgemeinen keine Kompressionsstrümpfe. Empfohlen werden sie Menschen, die schon eine Thrombose hatten oder Krebs haben. In Studien mit über 2.600 Fluggästen waren Thrombosen ohne Beschwerden mit kniehohen Strümpfen seltener. Die Kasse zahlt Strümpfe nur zur Vorbeugung nicht.
Hilft Aspirin gegen Reisethrombose?
Für Aspirin als Schutz vor einer Reisethrombose gibt es keinen Beleg. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen nennt es nicht. Belegt sind Bewegung und, für Risikogruppen, Kompressionsstrümpfe. Ob Sie vor dem Flug eine Heparinspritze brauchen, entscheidet Ihr Arzt.
Woran erkenne ich eine Thrombose nach einem Flug?
Eine Thrombose nach einem Flug zeigt sich durch Schwellung, Schmerzen, Spannungsgefühl, stärker sichtbare Venen oder bläuliche Haut, meist an einem Bein. Diese Zeichen können auch andere Ursachen haben. Deshalb gehen Sie bei Verdacht noch am selben Tag zum Arzt. Bei plötzlicher Atemnot oder Brustschmerz rufen Sie 112.
Darf ich nach einer Thrombose wieder fliegen?
Ob und ab wann Sie nach einer Thrombose wieder fliegen dürfen, entscheidet Ihr behandelnder Arzt. Eine frühere Thrombose ist ein starker Risikofaktor. Das Institut empfiehlt dieser Gruppe Kompressionsstrümpfe auf Flügen. Ob zusätzlich Heparin nötig ist, klären Sie mit Ihrem Arzt.
