Warum gehört Gefäßsport zur Behandlung der Schaufensterkrankheit?
Schaufensterkrankheit ist der Alltagsname der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit im Stadium der Gehschmerzen. Verengte Beinarterien liefern beim Gehen nicht genug Blut in die Wadenmuskeln. Die Beine schmerzen, und Betroffene bleiben stehen, oft wie vor einem Schaufenster.
Die Leitlinie, die Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften (Version vom 25. November 2024), rät, allen Betroffenen mit Gehschmerzen ein strukturiertes Gehtraining unter qualifizierter Anleitung anzubieten. Es sei wirksamer als Gehen auf eigene Faust. Strukturiert heißt: nach Plan, mit festgelegter Dauer und Belastung.
Als Menge nennt die Leitlinie mindestens dreimal pro Woche 30 bis 60 Minuten, über mindestens drei Monate. Als Kassenleistung gibt es dieses Training in Gefäßsportgruppen. Dort leiten ausgebildete Übungsleiter das Training an, und die Art des Trainings richtet sich nach dem Ort der Engstelle.
Wie bekomme ich Gefäßsport auf Rezept?
Gefäßsport zählt rechtlich zum Rehabilitationssport. Deshalb heißt das Formular Antrag auf Kostenübernahme für Rehabilitationssport, kurz Muster 56. Verordnen dürfen ihn Hausärztinnen, Hausärzte und Gefäßmediziner. Nach einer Reha der Rentenversicherung verordnet ihn der Arzt der Rehaklinik.
Auf dem Formular stehen die Diagnose, die Gründe und Ziele, Ihre Einschränkungen und Belastbarkeit, die Dauer und die empfohlene Sportart. Fachärzte für Gefäßmedizin raten, bei Sonstige Gefäßsport einzutragen und Rehabilitationssport Gymnastik mit 50 Übungseinheiten in 18 Monaten anzukreuzen.
Befund und Belastbarkeit
Der Arzt sichert die Diagnose, zum Beispiel durch Blutdruckmessung an Arm und Knöchel, und prüft Herz und Lunge.
Rezept auf Muster 56
Der Arzt trägt Diagnose, Ziele, Einschränkungen, 50 Übungseinheiten in 18 Monaten, die Sportart Gymnastik und den Vermerk Gefäßsport ein.
Gruppe suchen
Fragen Sie beim Landesverband des Behindertensports nach einer Gefäßsportgruppe oder suchen Sie in der Liste der Deutschen Gefäßliga nach Postleitzahl.
Genehmigung der Kasse
Reichen Sie die Verordnung vor Beginn bei der Kasse ein, auch bei Folgeverordnungen. Manche Kassen verzichten darauf, fragen Sie nach.
Anmeldung in der Gruppe
Die Gruppe rechnet mit der Kasse ab. Eine Vereinsmitgliedschaft ist nicht Bedingung.
Regelmäßig teilnehmen
Bis zu zwei Übungsstunden pro Woche, mit Begründung drei. Nicht genutzte Einheiten verfallen.
Die Genehmigung ist kein Formalismus: Die Kasse muss Rehabilitationssport vor dem Beginn bewilligen. Einige Kassen verzichten darauf, das hat die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns im Dezember 2025 mitgeteilt. Ob Ihre Kasse dazugehört, sagt Ihnen nur Ihre Kasse.
Wie viel Gefäßsport zahlt die Krankenkasse?
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt in der Regel 50 Übungseinheiten in 18 Monaten. Bei bestimmten Krankheiten, etwa Diabetes mit Folgeerkrankungen, sind bis zu 120 Einheiten in 36 Monaten möglich. Die Rentenversicherung zahlt nach einer Reha in der Regel bis zu 6 Monate, längstens 12 Monate, wenn Sie innerhalb von 3 Monaten nach dem Reha-Ende beginnen. Eine Einheit dauert in der Regel mindestens 45 Minuten, eine Gruppe hat höchstens 15 Teilnehmende je Übungsleiter.
| Wer zahlt | Voraussetzung | Umfang als Richtwert | Frist |
|---|---|---|---|
| Gesetzliche Krankenversicherung | Verordnung auf Muster 56, Genehmigung vor Beginn | 50 Übungseinheiten in 18 Monaten | keine, Beginn nach Genehmigung |
| Gesetzliche Krankenversicherung bei bestimmten Krankheiten, etwa Diabetes mit Folgeerkrankungen | Verordnung mit Begründung des größeren Bedarfs | bis 120 Übungseinheiten in 36 Monaten | keine |
| Deutsche Rentenversicherung nach einer medizinischen Reha | Der Reha-Arzt stellt den Bedarf während der Reha fest und verordnet | in der Regel bis 6 Monate, längstens 12 Monate | Beginn binnen 3 Monaten nach Reha-Ende |
| Beihilfe des Bundes | Ärztliche Verordnung nach denselben Regeln | wie bei der Krankenkasse, erstattet mit dem Beihilfesatz | nach der Beihilfeverordnung |
| Private Krankenversicherung | je nach Tarif | nach Tarifbedingungen | nach Vertrag |
Die Liste der Krankheiten mit größerem Umfang nennt die Schaufensterkrankheit nicht. Sie nennt aber unter anderem Diabetes mit Folgeerkrankungen, Nervenerkrankungen (Polyneuropathie) und die Amputation beider Beine. Trifft eine davon auf Sie zu, sollte Ihr Arzt sie in der Verordnung angeben.
Die Kasse zahlt bis zu zwei Übungsstunden pro Woche, die Leitlinie rät zu mindestens drei Trainingseinheiten. Bei zwei Stunden pro Woche reichen 50 Einheiten rund 25 Wochen. Die fehlende Einheit lässt sich durch Training zu Hause mit Zielvorgaben ergänzen, etwa mit Schrittzähler und Trainingsplan. Das ist nach der Leitlinie einer bloßen Beratung zum Bewegungstraining überlegen. Sprechen Sie Umfang und Belastung mit Ihrem Arzt ab.
Zahlen Sie für Gefäßsport etwas dazu?
Nein, für die verordneten Übungsstunden darf die Gruppe keine Zuzahlung, keine Eigenbeteiligung und keine Vorauszahlung verlangen. Eine Mitgliedschaft im Verein empfehlen die Reha-Träger, verpflichtend ist sie für die Dauer der Verordnung nicht.
- Freiwillige Mitgliedsbeiträge und freiwillige kostenpflichtige Zusatzangebote der Gruppe sind erlaubt.
- Sportkleidung und Schuhe bezahlen Sie selbst. Trainingsgeräte stellt die Gruppe.
- Die Fahrt zur Gruppe zahlen Sie in der Regel selbst. Das Bundessozialgericht hat 2009 entschieden, dass die Kasse Fahrkosten zum Rehabilitationssport nicht übernehmen muss. Fragen Sie Ihre Kasse, ob sie im Einzelfall etwas erstattet.
- Nach dem Ende der Verordnung können Sie in derselben Gruppe auf eigene Kosten weitertrainieren.
Wie bekommen Sie nach 50 Einheiten ein Folgerezept?
Rehabilitationssport soll Sie in die Lage versetzen, langfristig selbstständig zu trainieren. Deshalb gibt es ein Folgerezept nur, wenn Sie das noch nicht können. Der Arzt muss dann begründen, warum Sie die Übungen noch nicht allein sicher durchführen können. Eine längere Dauer ist nach Prüfung im Einzelfall möglich.
- Sprechen Sie rechtzeitig vor der letzten Einheit mit Ihrem Arzt über den Verlauf und Ihre Gehstrecke.
- Bitten Sie die Übungsleitung um eine kurze Einschätzung, welche Übungen Sie noch nicht allein sicher durchführen.
- Der Arzt kreuzt auf Muster 56 Folgeverordnung an und begründet im Freitextfeld, warum Sie noch Anleitung brauchen.
- Reichen Sie die Folgeverordnung vor dem Weitertraining bei der Kasse ein, weil auch sie vorher genehmigt werden muss.
- Lehnt die Kasse ab, können Sie Widerspruch einlegen. Die Frist steht im Bescheid.
Die Leitlinie nennt außerdem Aktivitätssensoren und Fitness-Apps als geeignet, um die eigene Aktivität zu verfolgen und das Gehen zu steigern. Eine Gefäßsportgruppe, in der Sie nach dem Ende der Verordnung Mitglied bleiben, ist dafür eine naheliegende Lösung.
Wo finden Sie eine Gefäßsportgruppe in Ihrer Nähe?
Gefäßsportgruppen gibt es in Deutschland nicht flächendeckend, so schreibt es die Leitlinie selbst. Träger sind die Landesverbände des Behindertensports und eine Gesellschaft für Rehabilitation und Prävention, die auch die Übungsleiter ausbilden. Eine Liste nach Postleitzahl führt die Deutsche Gefäßliga, Informationen zum Gefäßsport auf Rezept bietet die Deutsche Gesellschaft für Angiologie.
Sie besuchen in der Regel die Gruppe, die Ihrem Wohn- oder Arbeitsort am nächsten liegt, es sei denn, dort werden die verordneten Übungen nicht angeboten. Ihren berechtigten Wünschen ist dabei zu entsprechen. Gibt es in erreichbarer Nähe keine Gefäßsportgruppe, fragen Sie Ihre Kasse, welche Gruppe sie für Ihr Rezept anerkennt.
Menschen mit Schaufensterkrankheit trainieren mangels Gefäßsportgruppen oft in Herzsportgruppen mit. Fachärzte halten eigene Gruppen für besser, weil das Training zum Verschlussmuster passen soll. Ist auch das nicht möglich, bleibt Training zu Hause mit Zielvorgaben und genauer Verlaufskontrolle. Es war in Studien bei der Gehstrecke gleichwertig und soll erwogen werden, wenn überwachtes Training nicht möglich ist.
Häufige Fragen
Wer darf Gefäßsport bei Schaufensterkrankheit verordnen?
Gefäßsport bei Schaufensterkrankheit darf jede Hausärztin, jeder Hausarzt und jeder Gefäßmediziner als Rehabilitationssport auf Muster 56 verordnen. Nach einer medizinischen Reha der Rentenversicherung verordnet ihn der Arzt der Rehaklinik. Die Krankenkasse muss die Verordnung vor Beginn genehmigen, einige Kassen verzichten darauf.
Muss ich für Gefäßsport auf Rezept etwas zuzahlen?
Nein, für Gefäßsport auf Rezept dürfen die Gruppen keine Zuzahlungen, Eigenbeteiligungen oder Vorauszahlungen verlangen. Eine Vereinsmitgliedschaft ist für die Dauer der Verordnung freiwillig. Selbst tragen Sie Sportkleidung und in der Regel die Fahrt zur Gruppe.
Wie lange zahlt die Krankenkasse Gefäßsport bei Schaufensterkrankheit?
Die Krankenkasse zahlt Gefäßsport bei Schaufensterkrankheit in der Regel für 50 Übungseinheiten, die Sie innerhalb von 18 Monaten nutzen. Diese Zahl ist ein Richtwert. Eine Folgeverordnung ist möglich, wenn der Arzt begründet, warum Sie die Übungen noch nicht selbstständig durchführen können.
Zahlt die Krankenkasse die Fahrt zum Gefäßsport?
In der Regel nein, die Fahrt zum Gefäßsport zahlen Sie selbst. Das Bundessozialgericht hat 2009 entschieden, dass Rehabilitationssport nur eine ergänzende Leistung ist, für die das Gesetz damals keine Fahrkosten vorsah. Fragen Sie Ihre Krankenkasse vor dem ersten Termin, ob sie im Einzelfall Fahrkosten erstattet.
Bezahlt die Beihilfe Gefäßsport bei Schaufensterkrankheit?
Ja, die Beihilfe des Bundes erkennt ärztlich verordneten Rehabilitationssport nach der Rahmenvereinbarung der Reha-Träger als beihilfefähig an. Erstattet wird mit Ihrem Beihilfesatz. Die Beihilferegeln der Länder und die Tarife der privaten Krankenversicherung regeln das jeweils selbst.
